Ein Schultag in Manila – Jonathan und Frieder waren dabei

    01Mit dem Patenschaftsprogramm in Manila sind viele Kinder in Grundschulen, Highschool und auf dem College. Mit diesem Bericht möchten wir einen klassischen Schultag an einer Highschool in Manila näherbringen. Wir, Jonathan und Frieder, sind zwei Freiwillige, die sechs Monate mit CPI in Manila ein Praktikum absolvierten. An diesem Tag begleiteten wir den 17-jährigen April durch seinen Alltag. April ist aktuell in der 12. Klasse und strebt in diesem Jahr seinen Highschoolabschluss an. Seit der Grundschule ist er Teil des Patenschaftsprogramms von CPI.

    Sein Tag startet früh: Gegen sechs Uhr steht er auf, läuft etwa 15 Minuten zur Schule und beginnt um sieben Uhr mit dem Unterricht. Viele seiner Mitschüler haben eine deutlich längere Anreise mit dem Jeepney oder einem Tricycle. Da der Verkehr in Manila eine Katastrophe ist, nimmt der Weg zur Schule oder Arbeit viel Zeit in Anspruch. In seiner Highschool mitten in Manila lernen rund 2000 Schüler. Die Klassen mit 40 bis 50 Schülern sind deutlich größer als bei uns in Deutschland. Auch die Klassenräume und das Schulgebäude wirkten nicht auf die große Anzahl an Schülern ausgelegt. Wir konnten eine Unterrichtsstunde im Fach Social Science besuchen. Die Lehrerin unterrichtete engagiert und mit dem Ziel, ihre Schüler nicht nur fachlich, sondern auch persönlich weiterzuentwickeln. In dieser Stunde bereitete sie die Schüler auf die organisatorischen Dinge der kommenden Abschlussprüfungen vor. In ihrem Unterricht sind die meisten Schüler sehr diszipliniert. Schwierigeres Verhalten nimmt in den Klassen 11 und 12 meist ab, da die Schüler wissen, wie wichtig der Abschluss für das anstehende College ist. Auf den Philippinen besteht generell die Möglichkeit, nach der Junior Highschool (7.–10. Klasse) die Schule zu verlassen oder für das High School Diploma die Senior Highschool (11.–12. Klasse) zu besuchen. Dass Schüler die Highschool frühzeitig abbrechen, um Freizeit zu haben, Basketball zu spielen oder direkt zu arbeiten, um Geld für sich und die Familie zu verdienen, ist uns auch während unserer Zeit in Manila häufig begegnet. Das ist meiner Meinung nach auch der wichtigste Grund für die Patenschaft: langfristig Bildung und einen Abschluss zu ermöglichen. Entscheidend für die Lehrerin war außerdem, dass die Schüler regelmäßig kommen und mitarbeiten.

    In der Klasse gehört April zu den leistungsstarken Schülern. Er arbeitet konzentriert und ist sehr motiviert. Trotz der großen Klassen kommt er in der Schule gut zurecht, da er fleißig ist und viel lernt. Die Klassengröße empfindet er jedoch als störend. Zu Hause hat er das Glück, in Ruhe lernen zu können, da seine zwei Schwestern oft nicht da sind und genügend Platz vorhanden ist. Das ist nicht selbstverständlich: Viele Schüler in Manila haben keinen ruhigen Ort zum Lernen oder Zurückziehen, was ihre Situation zusätzlich erschwert. Oft lebt eine ganze Familie in nur ein bis zwei Räumen, von der Hitze ganz zu schweigen. Die Patenschaft ist für ihn ein riesiger Motivationsbooster. Seit der Grundschule erhält er Unterstützung für Schulmaterialien, Verpflegung und weitere Kosten. Sein Vater arbeitet als Tricycle-Fahrer und verdient zwischen 5 und 15 Euro am Tag. Ohne diese Hilfe wäre der Schulbesuch deutlich schwieriger. Für April ist klar: Die Patenschaft gibt ihm nicht nur finanzielle Entlastung, sondern auch Antrieb, sein Bestes zu geben.

    Nach der Schule endet sein Tag noch lange nicht. Neben dem Lernen, etwa drei Stunden täglich, investiert er viel Zeit in seine große Leidenschaft, das lateinamerikanische Tanzen. Er nimmt an Wettbewerben teil und träumt davon, dies eines Tages professionell zu machen. Sein Ziel nach dem Schulabschluss ist es jedoch, Kriminologie zu studieren. Er möchte Polizist werden.

    02Ein wichtiger Teil seines Lebens ist auch die Jugendgruppe von CPI, die jeden Samstag stattfindet. Dort erlebt er Gemeinschaft, das Wort Gottes und Orientierung. Wir begleiteten ihn an einem Freitag, somit stand nach der Schule der Hauskreis seiner Gemeinde an. In dieser Woche war er zufälligerweise dran und leitete den Hauskreis mit etwa 12 Jungs. Es wurde gesungen und Bibel gelesen.

    Auch von Seiten der Schule wird deutlich, wie herausfordernd die Rahmenbedingungen sind. In einem Gespräch mit dem Sekretär des Rektors wurde uns dies noch einmal eindrücklich geschildert. Zu große Klassen, wenig individuelle Beachtung und ein hoher bürokratischer Aufwand beschäftigen die Lehrkräfte. Viele Lehrer sind von der Bürokratie überfordert, wodurch der Unterricht oft an Qualität leidet. Gleichzeitig kämpfen viele Schüler mit familiären und finanziellen Belastungen.

    Im Vergleich zu Schulen in Deutschland wird klar, dass die Probleme ganz andere sind. In den Highschools von Manila gibt es ein großes Problem: Der Schulbesuch kostet Geld — für Gebühren, Fahrten, Essen und Materialien, Geld, das in Familien schlicht weg fehlt. Gleichzeitig könnten die Jugendlichen stattdessen in einfachen Jobs arbeiten und direkt zum Einkommen beitragen. Genau darin liegt die Herausforderung: kurzfristig Geld verdienen oder in Bildung investieren und langfristig davon profitieren. Doch ohne Unterstützung ist dieser Weg für viele Kinder sehr schwer. In der 12. Klasse, die wir besuchten, trafen wir Schüler, die einen guten Abschluss anstrebten und das College im Visier hatten. Sie haben verstanden, wie wichtig Bildung für ihre Zukunft ist und zugleich das Privileg, diesen Weg gehen zu können.

    Dieser Tag mit April hat uns einen kleinen Einblick gegeben, was hinter der Highschool und dem Patenschaftsprogramm in Manila steckt. Es geht nicht nur um den Schulbesuch der Kinder, sondern auch darum, Schüler auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen und ihnen eine Perspektive zu geben. April ist dafür ein Beispiel und steht stellvertretend für viele andere an den Highschools Manilas die von CPI unterstützt werden.

    Jonathan und Frieder

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    Christliche Philippinen Initiative e.V.

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    74239 Hardthausen – Gochsen

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