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"Ich gehe mit meinem Kollegen vom Drop In Center auf die Straße und er zeigt mir den schönen kleinen Park direkt daneben. Er erklärt mir, dass sie [Anm.: die Regierung] hinter den Mauern des Parks den Slum umgesiedelt hat – man sollte das Elend ja nicht so öffentlich sehen. Wir laufen hinter die Mauern und ich erschrecke:

Die Menschen leben hier eng aufeinander, Privatsphäre gibt es hier keine. Es stinkt, alles ist nass, dreckig, eng und vollgestopft. Ich lerne einen kleinen Jungen von SPECS kennen, er schielt stark und hat Hörprobleme. Er ist schon 6 Jahre alt, sieht aber deutlich jünger aus, da er sehr unterernährt ist. Ich habe keine Ahnung, ob  er jemals behandelt wird, weil seine Familie kein Geld hat. Warum muss das so ungerecht sein? Einige Tage später wird mir erklärt, dass dieser Junge stark unter Mobbing leidet und seine Mutter ihn vor kurzem verlassen hat. Sie dealt vermutlich mit Drogen. Seine Oma passt auf ihn auf,  welche nun SPECS gebeten hat, ihn zur Adoption aufzunehmen, sie sei zu alt um sich um ihn zu kümmern. Dieser Junge ist nur einer von vielen, welcher Hilfe und vor allem Liebe benötigt.Wir gehen durch andere Compounds und ich als deutsch geprägte Person erschrecke über die nicht vorhandene Privatsphäre: Die Menschen duschen am Brunnen draußen an der Straße in ihren Klamotten. DIC Community cPrivatsphäre gibt es hier also nicht mal beim Duschen.
Wir besuchen eine Familie, die in einem kleinen LKW wohnt. Ich entdecke ein paar wenige Gegenstände, welche vermutlich ihr ganzer Besitz sind. Die leichten Tücher, welche als Bett dienen sollen, geben insgesamt circa die Größe eines Ehebetts vor. Da schlafen also die Eltern mit ihren acht Kindern – auf einer kleinen LKW-Ladefläche, ungeschützt von Regen und von der Autobahn getrennt durch die Leitplanke. Wie ungerecht das Leben sein kann. Ich fahre nach Hause und treffe eine Mutter mit ihren zwei Kindern auf der Straßenüberführung. Die Mutter sitzt auf einem Karton, sie wird diese Nacht mit ihren Kindern hier verbringen. Besitz sehe ich nicht. Ich gehe die Treppe runter und laufe an ihren Kindern vorbei. Sie sind maximal 5 Jahre alt und strecken ihre dünnen dreckigen Ärmchen aus, um die Passanten um Geld zu bitten.

Ich freue mich nicht auf Zuhause – dort erwartet mich ein eigenes Bett, ein eigenes Zimmer, eine saubere Dusche und jede Menge von Besitz, ganz egal ob ich dies schon in fünffacher Ausführung habe. Ich schäme mich; wie konnte ich mir heute den Kopf darüber zerbrechen, wo ich mir eine neue Hose kaufen kann, während ich solchen Familien wie diese den ganzen Tag begegne.
Es tut mir weh zu sehen, in welchem Luxus wir in Deutschland leben und wie selbstverständlich es ist, mit meinen deutschen Freunden einen Ausflug zu unternehmen, während meine Freunde hier sich so beschenkt fühlen, da sie eine Chance auf Bildung haben!

Ich weiß nicht, wie ich mit all diesen Emotionen und Eindrücken umgehen soll und wo genau man bei dieser niemals endenden Armut anfangen soll.
Wie kann das Leben so ungerecht sein?

Jesus bitte hilf mir, diese Welt zu verstehen und zeige mir, wo in dieser dunklen Stadt dein Licht brennen soll."

 

- Dieser Tagebucheintrag stammt von Camilla Jenny. Die junge Frau absolviert bis Februar 2020 ihr Praxissemester (Soziale Arbeit) in der Straßenkinderarbeit in Manila.-

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